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Hört, hört!


Ich weiß nicht, wo die Rasenmäher ausschlüpfen, doch es gibt immer mehr. Und es ist Sport geworden, zumindest da, wo ich wohne. Anders kann ich es mir nicht erklären, wieso mit jedem Sonnenstrahl, der zum Fenster und Türen öffnen verführt, auch ein Turbomotor in nächster Nähe seine Arbeit aufnimmt. Kaum ist er geschlüpft, wird er von Männern ausgeführt.
Könnten nicht Schafe ausschlüpfen, einfach so in der Sonne?
Könnte man Männern den Spaß an Schafen beibringen?
Aber nein, sie sporteln mit den Nachbarn, wer die kürzesten und saubersten 5 cm Wiese hat. Und damit nicht genug, ich höre regelmäßig eine Kreissäge in diesem Wohngebiet, weil jemand Kaminholz für die nächsten 100 Jahre macht. Ich höre das Poch-Poch vom Nachbarn, weil er seine unterirdische Kelleranlage wieder erweitert. Klingt ganz, als plane er einen Ausbruch aus dem Ehegefängnis, und wird ewig brauchen, bis er hinten beim Waldstück ankommt und rauskrabbeln kann! Leider!
Eingekreist von den tüchtigen Machern befasse ich mich dagegen mit abartigen Dingen - ich lese, das heißt, ich versuche es nur, denn die lautstarke Freizeitwelt ist mit klappernder Rüstung fröhlich dabei: klip-klap, poch-poch, brum-brum...
Manchmal glaube ich, ich höre das alles ganz allein, wünsche mir ganz allein ein bisschen Stille und die anderen sind schon taub. Im Alter kommt ja glücklicherweise die Schwerhörigkeit. Nun werde ich alt, aber richtig vorwärts geht das weniger Hören nicht. Der Blutdruck steigt und ich sinne auf Rache, habe als einzige Möglichkeit das Flöteüben meines Kindes, und so lege ich die Fingerübung inzwischen genau auf den Beginn der Sportschau.
Mein Staubsauger ist zu leise, meine Brotmaschine auch, was also sollte ich sonst tun?
Ich sammle klammheimlich Katastrophenmeldungen, da hat doch neulich einer auf Bauarbeiter mit der Schreckschusspistole geschossen, immer weiter ratterte das Mischfahrzeug, trotz seiner Bitte um Ruhe, dann kam er halt mit der Waffe zurück... ja mich wunderte das nicht! Im Gegenteil! Kann mir gut vorstellen, dass es sich hier um einen Lesenden handelte, mein Freund und Bruderherz – eventuell begegnen wir uns später in der Psychiatrie. Noch bin ich hier, in der Vorstufe, beim Sammeln der Fälle. So für alle Fälle, wegen der Strafe, wegen der Anwaltskosten. 
Und ich suche eine Turboflöte für meinen Kleinen, vielleicht begeistert er sich später für ein Schlagzeug!
Üble Nebenwirkung: Ich müsste auch immer aus dem Haus gehen. Da beantrage ich doch lieber eine Ausleihstation für Schafe.
Und werde ganz sicher für bescheuert gehalten - aber warum denn?
Wenn die Baumärkte jedes Motorvieh verleihen, können sie auch kleine Kuschelschafe anschaffen!
Vielleicht wundern wir uns dann ein Stückchen weniger über die ganz plötzlich ausgeschlüpften Psychopathen.
Und jetzt lege ich mal eben Powermusik per CD auf, damit ich die anderen nicht höre.


© NM 2003



Was denn nun?


Ich wachte auf.....
und mein linkes Ohr war ab!
Deutlich lag es neben mir auf dem Kopfkissen. Klein, kalt, dünn, leblos, blaß und fremd. Was mach ich nur, schoß die Angst durch meinen Kopf, warum passieren mir immer solche Dinge? Oder immer mir? Mit zwei verschiedenen Schuhen loslaufen....aber das Ohr ist der Höhepunkt. Zum Glück habe ich lange Haare und es wird nicht auffallen.
Freud würde sagen, weil ich nicht hören will, brauche ich kein Ohr. Oder ich habe zuviel gehört - das trifft es schon eher.
Weil das Ohr jetzt tot ist, stellt sich die Frage nach dem Entsorgen. Nicht in den Müll! Besser einfrieren, irgendwie behalten, ist doch meins! Wie kann sowas über Nacht abfallen und ich stehe da mit den Folgen.
Andererseits klärt das "Mißgeschick" einiges. Bin ich eben so, na und. Wenn ich keine Lust zum Reden habe, trage ich die Haare hochgesteckt und garantiert niemand wird mich ansprechen. Und wenn sie sich ertappt abwenden, fixiere ich sie boshaft und feixe dazu. Ich habe keine Wunde, keine Narbe, eigentlich sieht es ganz niedlich aus, das.
Und Van Gogh ist mein Lieblingskünstler, weil er Zeit seines Lebens nur ein Bild verkaufte, weil er mit dem Messer an die Ohren ging. Er tröstet mich. Die Welt ist doch auch zum Verzweifeln: Dummheit und Arroganz.
Beruhigung, es geht also mit einem Ohr. Frieden!
Und ich habe nur geträumt.
Auch nicht schlecht, tief durchatmen!
Fallen in Erleichterung. Was bin ich froh, daß dieser Morgenstreß an mir vorbei ging. Glück gehabt! Doch woher kommt jetzt der Traum?
Bin ich denn ganz dicht?
Ich könnte schon wieder durchdrehen.
Aber das wäre ein guter Krimi-Anfang. Schon mal dagewesen, meckert eine Gehirnzelle. Ja kann ich denn einfach mal an nichts denken?!
Ich kann es nicht, Pech gehabt.


© NM 2000